Ernährungsgerechtigkeit & Welthunger

Weltweit leidet fast eine Milliarde Menschen an Hunger und Mangelernährung. Es ist beschämend, dass in einer Welt, in der so viele Lebensmittel wie noch nie hergestellt werden, alle fünf Sekunden ein Mensch verhungert.

Trotz umfangreicher Maßnahmen zur Schaffung von Ernährungssicherheit ist die Welt heute weit davon entfernt, allen Menschen zu jeder Zeit ausreichend gesunde Nahrung zu gewähren. Beim UNO-Gipfel in New York im Millenniums-Jahr 2000 hatten die Regierungen beschlossen, den Anteil der Hungernden in den Entwicklungsländern bis zum Jahr 2015 zu halbieren.

 

Besteck 

 Kinder sind Hauptleidtragende

Doch die Zahl der Hungernden ist um ein Vielfaches gestiegen, gerade Kinder sind betroffen. Die Folgen sind fatal: Unterernährte Kinder wachsen langsamer, bleiben in ihrer geistigen Entwicklung zurück und sind anfälliger für Krankheiten. Studien in Entwicklungsländern zeigen, dass Menschen, die im Kindesalter nicht ausreichend mit hochwertiger Nahrung versorgt werden, auch Jahrzehnte später stark beeinträchtigt bleiben und beispielsweise 40 Prozent weniger Lohn erhalten, als gut ernährte Kinder - ein Teufelskreis.

Die Ursachen für den Welthunger sind komplex und überwiegend Folge politischen, wirtschaftlichen und ökologischen Fehlverhaltens von Menschen und Regierungen. Die Weltbevölkerung könnte theoretisch überernährt sein, wenn die vorhandenen Nahrungsmittel richtig verteilt würden.

Hunger ist kein ausschließliches Problem der Entwicklungsländer

Bis zum Jahr 2050 wird die Weltbevölkerung auf neun Milliarden Menschen anwachsen. Die Welternährungsorganisation FAO prognostiziert, dass die Lebensmittelproduktion um 70 Prozent ansteigen muss, will man die Welt von morgen ernähren. Die Industrialisierung der Landwirtschaft hat bereits eine enorme Steigerung der produzierten Lebensmittelmengen zur Folge gehabt, ohne dass dies den Hunger verringert hätte. Das Gegenteil war der Fall.
Doch man muss nicht weit reisen, um Menschen zu treffen, die nicht genügend zu essen haben. Auch in Europa wächst die Armut rasant. In einigen europäischen Ländern müssen Hilforganisationen erstmals seit Jahrzehnten wieder Lebensmittel verteilen. Schätzungen zufolge leben in der EU mehr als 120 Millionen Menschen unterhalb der europäischen Armutsgrenze. Auch in Deutschland gibt es immer mehr Familien, die sich Lebensmittel nicht mehr leisten können. Die "Tafeln" etwa, ein spendenfinanzierter Verein zur kostenlosen Verteilung von Lebensmitteln an Hilfsbedürftige, verzeichnen immer mehr Zulauf. Mehr als 890 Tafeln gibt es mittlerweile bundesweit. Eine Schande für ein reiches Land wie Deutschland.

Und während die einen am Morgen nicht wissen, ob ihre hungernden Kinder den Abend erleben werden, sterben andernorts genauso viele Menschen an den Folgen von Übergewicht und an den Zivilisationskrankheiten, die auf ungesunde Ernärhung zurückzuführen sind: Zu viel, zu fett, zu zuckrig - das ist das Luxusproblem der Wohlstandsgesellschaften.

Wo bleibt hier die Ernährungsgerechtigkeit? Die Ernährungsethik widmet sich dieser Frage in verschiedenster Weise. Philosophische Gerechtigkeitskonzepte spielen dabei ebenso eine Rolle wie ganz konkrete Projekte und Forschungsarbeiten für mehr Ernährungssicherheit und -Autonomie.

 

Get more Joomla!® Templates and Joomla!® Forms From Crosstec