Religiöse Schlachtung (Schächten)

Religiöse Schlachtungen sind seit jeher ein kontrovers wie emotional diskutiertes Thema, das im Spannungsfeld von Tierschutz, kulturellen Aspekten und Fragen der Religionsfreiheit steht. Die betäubungslose Schlachtung, das so genannte Schächten, findet aufgrund von Ernährungsvorschriften vorwiegend im Islam und Judentum statt. Dabei wird dem Tier mit einem speziellen Messer ein Kehlschnitt gesetzt, der Luft- und Speiseröhre durchtrennt und ein vollständiges anschließendes Ausbluten des Tieres zur Folge haben soll. Traditionell erfolgt die rituelle Schlachtung ohne vorhergehende Betäubung. Dies steht jedoch im Wiederspruch zu der Gesetzgebung in vielen europäischen Ländern, so auch Deutschland, die eine Betäubung von Wirbeltieren vor der Schlachtung vorsieht. Hier kollidieren die verfassungsrechtlich geschützte Religionsfreiheit (Art. 4 Abs. 1, 2 GG) mit dem ebenfalls im Grundgesetz verankerten Staatsziel Tierschutz (Art. 20a GG).

In Deutschland ist die Schächtung von Tieren grundsätzlich mit Ausnahmevorbehalt verboten. Die Einfuhr von Fleisch geschächteter Tiere hingegen ist generell erlaubt. Wird eine Ausnahmegenehmigung erteilt, ist die betäubungslose Schlachtung im Einzelfall erlaubt, sofern sie von einer sachkundigen Person unter Aufsicht des zuständigen Veterinäramtes in einem registrierten Schlachthof durchgeführt wird.


Halal - Ein Wirtschaftsfaktor?

Halal-Produkte sind zunehmend ein wichtiger Wirtschaftsfaktor: Der Umsatz mit Halal-Produkten beläuft sich weltweit auf 650 Milliarden US-Dollar pro Jahr.
>> Hier gehts zu einem Beitrag (Dezember 2015) des Bayerischen Rundfunks über Halal als Wirtschaftsfaktor. 

 

Konstruktive Lösungen: Projekt für mehr Verständigung

Da noch immer enorme Vorbehalte und Unsicherheiten hinsichtlich der rituellen Schlachtung bestehen, wurde für einen tiefgreifenden Dialog das Projekt DIALREL ins Leben gerufen. Das von der EU geförderte Projekt DIALREL (Encouraging Dialogue on Issues of Religious Slaughter) hat diese Informationen in einem konstruktiven Dialog zwischen den betreffenden Interessengruppen erarbeitet und veröffentlicht. Es umfasst Belange der Durchführung religiöser Schlachtungen hinsichtlich Tierschutz, Vermarktung und Verbraucherschutz. Das Projekt hat das Ziel, den Dialog zwischen interessierten Gruppen und Interessenvertretern zu fördern und die Umsetzung guter Praktiken bei religiösen Schlachtungen zu erleichtern.

Detaillierte Informationen zum Projekt finden Sie hier.

Die Ergebnisse des DIALREL Projekts können Sie hier einsehen: http://www.dialrel.eu/dialrel-results

Außerdem wurden sie publiziert in:

Caspar, Johannes/Luy, Jörg: Tierschutz bei der religiösen Schlachtung. Die Ethik-Workshops des DIALREL-Projekts. Baden-Baden 2010.

 

Hintergrundliteratur (Auswahl)

Potz, Richard/Schinkele, Brigitte/Wieshaider, Wolfgang (Hrsg.): Schächten. Religionsfreiheit und Tierschutz. Slaughter according to religious rites: religious freedom and protection of animals. Freistadt 2001.

Gregory, Neville G./Fielding, Helen R./von Wenzlawowicz, Martin/von Holleben, Karen: Time to collapse following slaughter without stunning in cattle. In: Meat Science 2010(85), S. 66-69.

Gregory, Neville G./von Wenzlawowicz, Martin/von Holleben, Karen: Blood in the respiratory tract during slaughter with and without stunning in cattle. In: Meat Science (2009)82, S. 13-16.

von Wenzlawowicz, Martin/von Holleben, Karen: Tierschutz bei der betäubungslosen Schlachtung aus religiösen Gründen [Animal welfare at religious slaughter without stunning], publication of an expertise on behalf of the Community of the German Veterinary Chambers and Veterinary Associations - review article. In: Deutsches Tierärzteblatt (2007)55/11, S. 1374 - 1386.  

Luy, Jörg: Halal Religionskonformität als neuer Industriestandard. In: DLG Test Lebensmittel 2008(3), S. 20-21.

Andersson, B./Forslid, A./Olsson, K./Ronnegard,J.O.: Slaughter of Unstunned Animals. Swedish Board of Agriculture Report 37, 1992.

Grandin, Temple: High speed double rail restrainer for stunning or ritual slaughter. International Congress of Meat Scientists and Technology. Report 1987, S. 102-104.

Gregory, G./Wotton, S.D.: Time of loss of brain responsiveness following exsanguination in calves. In: Resource Veterinary Science 1984(37), S. 141-143.

Grandin, Temple/Regenstein, Joe M.: Religious slaughter and animal welfare: A discussion for meat scientists. In: Meat Focus International 1994, S. 115-123.

 

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