Ernährungsvorschriften im Judentum

Das Judentum beinhaltet vielfältige und zahlreiche Vorschriften für die Verarbeitung und den Konsum von Nahrung. Es wird unterschieden zwischen erlaubten (koscher) und verbotenen (nicht-koscheren oder treife) Lebensmitteln. Das Ziel dieser Ernährungsvorschriften (Kaschrut) ist es, das physische wie moralische Wohlergehen des Menschen zu gewährleisten.

Die Kascharut unterscheidet zwischen fleischigen, milchigen und neutralen Lebensmitteln. Besonders tierische Nahrung unterliegt strengen Zubereitungs- und Konsumptionsregulierungen. Nach den jüdischen Speisevorschriften sind nur bestimmte Tierarten rein und gesund. Nur diese dürfen durch den Menschen konsumiert werden. Tiere, die wiederkäuen oder gespaltene Hufen haben, Geflügel und Fische mit Flossen und Schuppen sind zum Verspeisen erlaubt. Zu den verbotenen Tierarten gehören Schweine, Pferde, Amphibien und Insekten. 

Der Verzehr von Blut ist nicht gestattet. Daher sind bestimmte Schlachtungs- und Verarbeitungsmethoden vorgeschrieben, um einen besonders hohen Ausblutungsgrad des Tieres zu ermöglichen. Bei der Schlachtung wird dem Tier mit einem scharfen Messer die Speiseröhre, Luftröhre und Halsschlagader durchtrennt. Nur ein jüdischer und ausgebildeter Schlachter (Schochet) darf die Schlachtung ausführen. Eine Schlachtung nach jüdischem Recht erfolgt ohne vorherige Betäubung des Tieres (Schächten oder Schechita). Das betäubungslose Schlachten hat besonders in westlichen Ländern große Diskussionen zum Tierschutz ausgelöst.

Neben den vielfältigen Speisevorschriften zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit des Menschen enthält das jüdische Religionsgesetz auch Regelungen zum Umgang mit Tieren und der Natur. Das Mensch-Natur-Verhältnis ist gekennzeichnet durch die Aufgabe des Menschen, über die Erde zu herrschen. Tiere und Natur sind dem Menschen untergeordnet und dürfen für menschliche Zwecke verwendet werden. Jedoch darf der Mensch seine Herrschaft nicht ausnutzen, sondern sollte verantwortlich und gerecht handeln. 

In den jüdischen Schriften gibt es eine Vielfalt von Versen, die zu einen ethischen Umgang mit Tieren und Umwelt aufrufen. Grundlegendes Gebot ist es, keinem Lebewesen Schmerz zuzufügen und die Lebensgrundlagen nicht zu zerstören. Auch jüdische Feiertage und Festtage fördern das Wohl von Mitgeschöpfen. Am Sabbat (Ruhetag, siebter Wochentag) haben Tiere wie Menschen das Recht auf Ruhe. Das Neujahrsfest der Bäume (Tu Bischwat) etwa gibt Anlass, an den Schutz und die Schonung der Umwelt zu gedenken und Setzlinge zu pflanzen.


 

Hintergrundliteratur (Auswahl)

Kaltenstadler, Wilhelm: Ernährung im medizinischen Werk des Moses Maimonides. Jerusalemer Texte Band 14. Nordhausen 2015.
Grunfeld, Dayan I.: Jewish Dietary Laws. Soncino 1989.
Jaffe, Martin D.: Judaism and Environmental Ethics. A Reader. Lanham 2001.
Röbkes, Marion: Religion, Ernährung und Gesellschaft. Ernärhungsregeln und -verbote in Christentum, Judentum und Islam. Hamburg 2013.
Staghun, Gerhard: An einem Tisch. Rezepte von Juden, Christen und Muslimen. Neustadt 2012. 
Zivotofsky, A.Z.: Government Regulations of Shechita (Jewish Religious Slaughter) in the Twenty-First Century: Are They Ethical? In: Journal of Agricultural and Environmental Ethics (2012)25, S. 747-764.
Caspar, Johannes/Luy, Jörg: Tierschutz bei der religiösen Schlachtung. Die Ethik-Workshops des DIALREL-Projekts. Baden-Baden 2010.
Eliasi, J. R./ Dwyer, J. T.: Kosher and Halal: Religious observances affecting dietary intakes. In: Journal of the American Dietetic Association 2002/101(7), S. 911–913.
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